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Handekzem PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 13. August 2010 um 13:25 Uhr
  • Handekzeme gehören zu den häufigen Hauterkrankungen
  • Frauen erkranken häufiger als Männer
  • Handekzeme zeigen eine hohe morphologische Vielfalt
  • Handekzeme mit Auftreten von Bläschen (sog. dyshidrosiforme Handekzeme) sind therapeutisch schwieriger zu beeinflussen als Handekzeme, bei denen es zu verstärkter Verhornung und Einrissen der Haut kommt (sog. hyperkeratotisch-rhagadiforme Handekzeme)
  • In Abhängigkeit vom Schweregrad erfolgt die Behandlung rein äußerlich, mittels UV-Strahlen oder systemisch mittels Tabletten

 

Häufigkeit und Geschlechtsverteilung

Ekzeme im Handbereich finden sich bei bis zu 10% der evölkerung. Frauen erkranken häufiger als Männer. Bei Frauen treten Handekzeme besonders häufig im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Auch ältere Männer gehören zu den Risikopatienten.

Klinik

Ekzeme im Handbereich imponieren durch eine große morphologische Vielfalt. Irritative Handekzeme imponieren in Form von flächigen schuppenden Rötungen (Abbildung 1 und 2).

Handekzem auf irritativer Grundlage

Abbildung 1. Scharf begrenzte Rötung mit geringer Schuppung im Bereich des Daumens. Ursächlich liegt hier eine Irritation durch Speichel zugrunde.

Handekzem auf irritativer Grundlage

Abbildung 2. Handekzem auf irritativer Grundlage. Flächige, schuppende Rötungen im Bereich der Handrücken. Ursächlich liegt hier eine Irritation durch gehäuften Wasserkontakt (> 20 mal / Tag) zugrunde.

Finden sich neben Rötung und Schuppung auch noch Bläschen oder Blasen, so liegt ein dyshidrosiformes Handekzem vor (Abbildung 3 und 4).

 Dyshidrosiformes Handekzem

Abbildung 3. Dyshidrosiformes Handekzem. Im Bereich einzelner Finger und Fingerzwischenräume innerhalb von unscharf begrenzten Erythemen einzelne wasserklare Bläschen und gelbliche Schuppenkrusten.

 Dyshidrosiformes Handekzem

Abbildung 4. Dyshidrosiformes Handekzem. Massive, teilweise collerettartige Schuppen und – krusten im Finger- und Handrückenbereich auf erythematöser Haut.

Erytheme mit flächigen, unterschiedlich stark ausgeprägten Hyperkeratosen und darin eingestreut liegenden Rhagaden kennzeichnen das hyperkeratotisch-rhagadiforme Handekzem (Abbildung 5, 6 und 7).

 

Hyperkeratotisches Handekzem

Abbildung 5. Hyperkeratotisches Handekzem. Im Bereich der Handinnenflächen zeigen sich flache Hyperkeratosen.

Hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem

Abbildung 6. Hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem. Beidseits im Bereich der Handinnenflächen imponieren schmutzige Hyperkeratosen und Hauteinrisse.

Hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem

Abbildung 7. Hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem. Detail. Tiefe Rhagaden im Handtellerbereich.

Während die irritativen Handekzeme häufig keine oder kaum Beschwerden bereiten, ist der Juckreiz insbesondere bei den dyshidrosiformen Handekzemen häufig sehr stark. Daneben können sowohl die dyshidrosiformen als auch die hyperkeratotisch-rhagadiformen Handekzeme sehr schmerzhaft sein.

 

Wichtige Definitionen zur Beurteilung von Schweregrad und Chronizität

Bei der Beurteilung des Schweregrads eines Handekzems wird zwischen leicht, mittelschwer und schwer unterschieden.

Ein Handekzem wird als leichtes Handekzem bewertet, wenn die Hautveränderungen unter adäquater dermatologischer Therapie und Mitwirkung des Patienten schnell wieder abheilen.

Ein Handekzem wird als mittelschweres Handekzem bewertet, wenn die Hautveränderungen trotz adäquater dermatologischer Therapie und Mitwirkung des Patienten mehrere Wochen lang bestehen.

Ein Handekzem wird als schweres Handekzem bewertet, wenn die Veränderungen klinisch ausgeprägt vorliegen und einen erheblichen Krankheitswert für den Erkrankten bedeuten und immer wieder rezidivieren.

Ein Handekzem wird als chronisches Handekzem bewertet, wenn die Hautveränderungen trotz adäquater dermatolgischer Therapie länger als 3 Monate bestehen oder falls die Hautveränderungen in einem Zeitraum von 12 Monaten mindestens zweimal rezidivieren.

 

Pathogenese

Eine einheitliche Pathogenese besteht nicht. Mehrheitlich liegen Handekzemen irritative Faktoren zugrunde in Form eines gehäuften Wasserkontakts, Einsatz irritierender Substanzen für die Händereinigung (Seifen, Wasch- und Spülmittel) oder auch Arbeiten in kalter Umgebung. Patienten mit atopischem Ekzem erkranken bevorzugt, insbesondere an dem dyshidrosiformen Handekzem. Rauchen und Hyperhidrosis sind spezielle Provokationsfaktoren dieses Ekzemtyps. Eine Korrelation zwischen Handekzemen und Alkoholkonsum besteht nicht. Kontaktallergien können ein Handekzem auslösen oder unterhalten. Aus diesem Grund ist eine allergologische Abklärung bei jedem Handekzem sinnvoll und muß das konsequente Meiden des nachgewiesenen Kontaktallergens zur Folge haben.

 

Diagnose

Die Diagnose wird klinisch gestellt und bereitet in der Regel wenig Schwierigkeiten. Eine Psoriasis oder Tinea der Hände sind differentialdiagnostisch abzugrenzen (Tabelle 1).

 

Tabelle 1

Differentialdiagnosen des Handekzems und Abgrenzungsmöglichkeiten

Psoriasis manuum zusätzlich auch Psoriasis-Veränderungen an weiteren Körper-stellen, häufig auch Psorias-typische Nagelveränderungen

Tinea manuum mehrheitlich lediglich trockene Schuppung im Bereich der Handinnenflächen, sehr häufig nur einseitig; häufig auch Veränderungen im Fußsohlenbereich und auch Nagelveränderungen; Pilznachweis positiv

 

Therapie

Eine wichtige Richtschnur bietet  die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie zur Stufentherapie des Handekzems.

 

Hautpflege und Hautschutz als essentieller Baustein jeglicher Therapie

Für alle Handekzeme ist eine Barriere-restauriernde Pflege und Hautschutz entscheidend (Tabelle 2). Unter der Vielzahl der auf dem Mark erhältlichen Handcremes erfüllt die

Alfason® Repair Creme in meinen Händen am besten diese Aufgabe und sollte mit

Excipial® Protect als „flüssigem Handschuh“ kombiniert werden.

 

Topische antientzündliche Therapie

Topische Steroide sind für die äußerliche Ekzemtherapie die Therapie der Wahl, wobei Momethasonfuroat (Ecural® Salbe bzw. Fettcreme) als Klasse III-Steroid sehr effektiv ist, jedoch gleichzeitig über ein sehr gutes Wirkungs-Nebenwirkungsspektrum verfügt und somit auch über Wochen eingesetzt werden kann (Tabelle 2). Ist hierunter keine Abheilung zu erzielen, können die topischen Calcineurininhibitoren Tacrolimus (Protopic® 0,1% Salbe) oder Pimecrolimus (Elidel® Creme) zusätzlich zur Anwendung gelangen.

 

UV-Therapie als Versuch bei ungenügendem Ansprechen auf eine topische antientzündliche Behandlung

Gelingt unter intensiver Basistherapie in Kombination mit einer antientzündlichen Behandlung keine Erscheinungsfreiheit, können phototherapeutische Verfahren zusätzlich zum Einsatz gelangen. Als problematisch ist häufig im Praxisalltag die hohe zeitliche Belastung des Patienten zu nennen, da die Behandlungen über mehrere Wochen 3 bis 4 mal wöchentlich durchgeführt werden.

 

Systemische Behandlungsmöglichkeiten

Schwere oder chronische Handekzeme bedürfen häufig auch einer systemischen Behandlung mittels Tabletten. Therapie der ersten Wahl ist heute das Retinoid Alitretretinoin (Toctino® Kapseln), das einmal täglich in der Dosierung von 30mg eingenommen wird. Hierunter lässt sich in etwa einem Drittel der Fälle eine vollständige Abheilung erzielen (Abbildung 9). Frauen im gebährfähigen Alter müssen eine effektive Schwangerschaftsverhütung während der Zeit der Einnahme und weitere 4 Wochen nach Absetzung durchführen. Die Wirksamkeit der Substanz ist beim hyperkeratotisch-rhagahadiformen Handekzem besser als beim dyshidrosiformen Handekzem. Auch ist das therapeutische Ansprechen beim hyperkeratotisch-rhagadiformen Handekzem schneller. Rezidive nach dem Absetzen sind die Regel, so dass im Alltag häufig eine Erhaltungstherapie notwendig wird.

Abb. 9 Alitretinoin

Gelingt unter Alitretinoin keine befriedigende Besserung des Handekzems, ist Ciclosporin eine Alternative. Die initiale Dosis beträgt hier 3 mg / kg Körpergewicht und wird in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf monats- oder zweimonatsweise kontinuierlich reduziert.

 

Tabelle 2. Therapie des Handekzems

Basistherapie

Hautpflege, z.B. Alfason® Repair Creme, mehrmals tgl.
&
Hautschutz, z.B. Excipial® Protect, morgens und mittags

 

Topische antiinflammatorische Therapie

1. Glukokortikoide Ecural® Salbe z.B. Woche 1-2 morgens und abds; anschl. 1 x tgl. abds bis Abheilung, dann 1 x tgl. Sa und So abends für 8-12 Wochen

falls keine Erscheinungsfreiheit:

Kombination mit 2. topischen Calcineurin-Inhibitoren z.B. Protopic® 0,1% Salbe morgens und abends mit Steroid 2 x pro Woche abds

 

falls keine Erscheinunsfreiheit:

Kombination mit UV-Therapie z.B. UVB, (Bade-/Creme-)PUVA, UVA1 oder Toctino® 300mg Kapseln

 

Autor: Prof. D. Abeck, Dermatologe, München

 

Literatur

Diepgen L, Elsner P, Schliemann S et al Management von Handekzemen. Leitlinie. ICD-10-Ziffer: L20.L23.L24.L25.L.30. J Dtsch Derm Gesell 2009;7 (Suppl.3):S1-S16

Robertson L New and existing therapeutic options for hand eczema. Skin Ther Lett 2009;14:1-5

Thyssen JP, Linneberg A, Menné T, Nielsen NH, Johansen JD The effect of tobacco smoking and alcohol consumption on the prevalence of self-reported hand eczema: a cross-sectional population-based study. Br J Dermatol 2010;162:619-622

Ruzicka T, Lynde CW, Jemec GB et al. Efficacy and safety of oral alitretinoin (9-cis retinoic acid) in patients with severe chronic hand eczema refrectory to topical corticosteroids : results of a randomized, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Br J Dermatol 2008;158:808-817

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 20. August 2010 um 05:58 Uhr